#freitagsklatsch

Kennt ihr das, wenn es im Kopf so schwammig ist? Wenn alles wie im Nebel an einem vorbei zieht und man Stunden später erschrocken innehält und erst dann realisiert, was da passiert ist? Oder wenn man plötzlich total verunsichert ist, seine PIN der Geldkarte nicht mehr weiß oder nicht mehr sicher ist, ob die Handynummer mit 0172 oder 0174 beginnt?

Vor einem Jahr – und daran denke ich derzeit sehr oft – war es noch so viel schlimmer. Kaum Schlaf, Geschrei, stillen, nicht stillen … Der Nebel hat sich gelichtet. Und trotzdem weiß ich ganz plötzlich die PIN nicht mehr. Und dann muss mir der Liebste meine Nummer aus seinen Kontakten heraus suchen, weil sie irgendjemand braucht. Ich habe mich eben gefragt, wann das endlich aufhört. Aber – wie mein Mann jetzt lachend sagen würde – ich werde alt. Da ist das wohl so.

Montag war wieder ein Termin beim Kinderpsychologen. Entgegen des Resultates beim ersten Gespräch bin ich immer noch der Meinung, das etwas nicht stimmt. Ich habe in der Zwischenzeit intensiver auf die Situationen geachtet. Nun berichtete ich also erneut von meinen Beobachtungen und meinen Sorgen. Auch den Vermutungen.

PicsArt_11-16-08.58.21

Als erstes musste er wieder einmal anmerken, dass ich – baaah, das klingt absolut widerlich eingebildet – ein hohes Maß an Intelligent in Bezug auf die eigene Wahrnehmung und Einschätzung besitze. Tja, also … auf gut Deutsch gesagt bin ich einfach nur ehrlich mit mir selbst. Verbocke ich etwas, dann kann ich auch sagen, dass es so ist. Ich weiß auch, welche Konsequenzen dies mit sich zieht. An dieser Stelle könnte ich so viele Gespräche zwischen meinem Mann und mir anbringen, in denen ich ihm sagte: Glaub mir, es wird so und so laufen. Dieser Mensch ist so und so. Und IMMER sagte ich zu ihm, wenn bestimmte Geschehnisse eintraten: Ich weiß, du hasst es, wenn ich das zu dir sage. Aber ich habe dir ja vorher gesagt, dass du lieber dies und jenes tun solltest. 

Kurzum, ich kann meinem inneren Gefühl und mir selbst vertrauen. Niemand ist mir gegenüber so kritisch wie ich selbst. Perfektionismus ist aber auch eine Schwäche. Und so ist es noch einmal ganz gut, wenn man mit Hilfe eines Profis all diese Dinge von der anderen Seite durchleuchtet.

Nun, eigentlich sei alles okay. Und dann hatten wir die U7a. Und die Kinderärztin, die ich wirklich als sehr kompetent betrachten kann, ist da dann wieder kritisch. Denn sie sieht genau das, was ich sehe: einen kleinen Jungen, er sprachlich nicht so gut entwickelt ist und bei der kleinsten Berührung versucht diese Berührung abzuschütteln. Alles vorbereiten mit Doktor spielen und erklären und Belohnungen (die ich ja nun wirklich nicht gern einsetze) hilft nicht. Da ist das kurze Kopfumfang messen schon die reinste Tortur.

Und dann gibt es Momente, da bin ich einfach baff. Da merkt er sich einen Weg augenblicklich. Da erkennt er Buchstaben. Ich kann natürlich weniger gut abschätzen wie normal oder unnormal die Entwicklung läuft. Aber auch da habe ich ein paar Anhaltspunkte und Kinder, mit denen ich das vergleichen kann. Autismus stand für mich schon immer mal wieder im Raum. Aber, um mir sicher zu sein, fehlt mir einfach der Überblick wie viele Facetten dies in sich birgt. Und so eine Diagnose ist oft auch ein fieses Aushängeschild für diverse Stempel, die man aufgedrückt bekommt. Ich sehe es deshalb wesentlich gelassener. Ich denke schon – und da bin ich mir auch ziemlich sicher – dass er sehr sensibel ist. Und eventuell damit verbunden auch auf eine gewisse Art und Weise intelligent.

PicsArt_11-16-08.32.27

Der richtige Weg wird hier wohl abwarten sein. Und nach wie vor ist an Kita nicht zu denken. Nun auch mit offizieller Bestätigung des Kinderpsychologen, dass das auch völlig unnötig sei, wenn man daheim selbst für eine große Variation sorgt. Wer sollte sich auch besser um die eigenen Kinder kümmern und bemühen können als die eigene Mutter? Richtig, auch er bestätigte, dass ihm nicht geholfen ist, wenn er von einer gestressten Erzieherin ruppig behandelt wird, weil er ein Elefant im Porzellanladen ist – um damit einmal den Aufwand um seine Wenigkeit auszudrücken.

Und somit lenke ich einmal auf ein anderes Thema um: wisst ihr, mich nervt zunehmend die fehlende Fähigkeit Kritik nicht nur mit Beleidigungen zu qittieren, sondern auch einmal mit einer Ernsthaftigkeit darüber nachzudenken. Damit meine ich nicht Deine Musik ist doof. Hör mal was anderes, sondern vielmehr Du, hör mal, ich finde das nicht okay, weil ich denke, dass das so und so ist. Eigentlich sollten wir doch vielmehr wertschätzen, dass uns jemand seine ehrliche Meinung sagt. Dass uns diese Person nicht frech ins Gesicht lügt. Klar, letzteres ist wesentlich angenehmer, weil man sich nicht bemühen muss. Und bemühen müssen ist wirklich anstrengend. Aber … wer von euch will denn ernsthaft so leben?

Und seien wir doch einmal ehrlich: wie oft erwischen wir uns dabei, dass wir betriebsblind sind? Dinge nicht mehr so mitschneiden wie sie wirklich sind? Wir sind so sehr damit beschäftigt uns zu profilieren, etwas zu zeigen, was nur einen kleinen aber viel interessanteren Teil von uns ausmacht und um uns zu schlagen – ohne darüber nachzudenken, wen wir mit welchem Schicksal da gerade frech ins Gesicht spucken.

Ich schließe hiermit für heute meine Praxis und widme mich meiner Schizophrenie oder meinem Helfersyndrom oder meiner Boshaftigkeit, die mir meine Kolleginnen diagnostizieren. Achso, falsch. Die Schizophrenie diagnostizierte ich mir in der Tat selbst. 😉

Und nun, meine lieben Damen und Herren, beendet doch bitte eure Social Media Runde für die nächste Stunde und widmet euch bewusst und ohne jegliche mediale Ablenkung euren Liebsten. Singt und tanzt, bastelt und tobt. Handy aus, in die Schublade. Tablet in den Schrank. Fernseher aus. Kramt die Kindermusik heraus, spielt eure Musikinstrumente, erinnert euch an Lieder aus dem Musikunterricht wie ‚Heiß Katreinerle, schnür‘ dir die Schuh, schürz‘ dir dein Röckele, gönn‘ dir kein Ruh‘.‘

Das Leben ist einfach zu kurz, um ständig dagegen anzukämpfen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Bloggen auf WordPress.com.

Nach oben ↑

%d Bloggern gefällt das: