#freitagsklatsch

Ehrenwertes Volk, es ist wieder so weit. Ich propagiere heute wie man als armselige Mutter endet.

Stellt euch folgende Situation vor: Kind1 wäre beinahe auf der Couch zum Mittag eingeschlafen, hat es gemerkt und sich selbst wach gehalten. Du bringst dein Kind deshalb ins Bett. Kind2 schläft schon lange im Tragetuch. Kind1 schläft immer noch nicht, sondern macht remmidemmi im Kinderzimmer. Einmal ins Bett schicken und schon knackt Kind1 dann doch Weg. Du guckst auf die Uhr und – oh weh, schon 13 Uhr. Das kann nicht gut enden. Kind1 wird also 10 Minuten später geweckt. Spielerisch. Passt ganz gut. Kind2 war derweil schon wach.

Bis hier hin klingt das ja alles völlig normal. Völlig okay. Weiter geht’s! Alle man anplöhnen und raus an die frische Luft. Sonne scheint nämlich. Okay, Kind1 möchte mit dem Quad los, Kind2 hält es gerade im Kinderwagen mit Keks in der Hand aus. Du willst aber flott los und nicht noch so ein schweres Quad ziehen. Also stellst du das Laufrad oder Fahrrad als Option. Und hier kann man nun die Melodie vom weißen Hai einblenden. Kind1 beginnt nämlich den geilsten Wutanfall aller Zeiten draußen im Garten zu schieben.

Alles nützt nichts. An die Hand nehmen, reden (weil Kind1 weint dann einfach noch lauter), Gefühle benennen, dass man langsam sauer wird, auf Kind2 verweisen, die bereits sehr ungeduldig wird usw usw.

Okay, ihr landet also in der Auffahrt. Da wird sich theatralisch hingeschmissen und mit den Beinen auf und ab geworfen. Dazu richtig wütend geschrien. Kind2 lässt sich gerade noch so ein wenig hin und her schieben.

Deine Gefühle wechseln von furchtbar wütend über diese Blamage (die wir nur so empfinden, weil es uns so anerzogen wurde) über Belustigung und die Schwierigkeit nicht zu lachen, weil das eigentlich ja total süß ist wie wütend so ein laufender Meter sein kann, über Mitgefühl. Es ist schließlich nicht einfach, wenn man sich etwas vorgenommen hat und eine Mutter dazwischen kommt und alles durcheinander bringt.

Nun, Kind2 hat kein Bock mehr – muss also in die Trage. Kind1 kriegt sich irgendwann wieder ein und hebt das von dir bereits heraus geholte Laufrad auf und setzt sich darauf. Zögerlich wird bereits gequasselt und etwas schief gegrinst. Glückwunsch! Du bist keine armselige Mutter. Du hast es nämlich überstanden. Zwar nicht so gut wie es hätte sein können aber immerhin hast du eine Menge Kräfte mobilisiert, um die Fassung so halbwegs zu bewahren.

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Also, wir sind nun in der für mich schlimmsten Phase angekommen. Es ist wirklich nicht einfach und ganz oft habe ich auch keine Lust mehr. Ich motiviere mich mit einer kleinen Auszeit für mich weiter. Eine kurze Trickserie hilft dabei, um auf die Toilette gehen zu können, einen Kaffee zu machen oder keine 10kg durch die Gegend zu tragen.

Essensprobleme lösen wir mal wieder mitunter durch Nudeln, die Motive haben und mit Keksausstecher ausgestochenem Brot. Frust und Langeweile wird mit kleinen Aufgaben der Kampf angesagt. Aber wir überstehen diese Zeit des wenigen Schlafs und der vielen Emotionen.

Ein wichtiger Teil besteht darin einfach das Umfeld zu ignorieren und stark zu sein.

Nun kommen wir wieder zum gesellschaftlichen Part. Wer von euch ist ein absolut ungeduldiger Autofahrer, ständig unter Zeitdruck im Verkehr unterwegs und der Meinung, dass die anderen nie aus dem Knick kommen?

Wisst ihr, wir sind ja vor kurzem ganz arg von der abgesackten A20 betroffen gewesen. Der Verkehr Richtung Sanitz war so nervig, weil man oft nicht auf die Landstraße kam, wenn man von einer der abbiegenden Straßen darauf wollte. Und dann gab es auch noch diese Spezialisten, die wie Springer immer wieder ein paar Autos sehr riskant überholten, weshalb der überholte Verkehr immer wieder abbremsen musste und immer mehr Autofahrer genervt waren. Einmal hätten wir sogar fast einen bösen Unfall vor uns gehabt, weil ein Fahrzeug durch ein vor ihm rechts abbiegenden Fahrzeug ausscherte und jemand von hinten überholen wollte. Der Fahrer des protzigen Offroaders wäre fast im Graben oder gar dem Feld gelandet.

Nun, der Verkehr führt nicht mehr direkt bei uns an der Ausfahrt der Dorfstraße entlang. Das ist schon einmal gut. Für uns. Aber solche riskanten Überholmanöver erlebe ich in letzter Zeit trotzdem. Und ich sitze dann mit zwei Kindern im Auto auf einer Straße, die nicht breit genug ist, um einen Mittelstreifen zu bekommen, und frage mich, wann wir wegen so einem Idioten sterben werden. Mir wäre es natürlich lieber, wenn so ein Mensch sich selbst von der Straße fegt. Aber viel zu selten geschieht den Menschen genau das, was ihnen zusteht. Stattdessen müssen andere daran glauben.

Das sind wahnsinnig harte Worte. Aber das hat seine Berechtigung. Wir alle haben in der ersten Theoriestunde der Fahrschule gelernt, dass gegenseitige Rücksichtnahme wichtig ist. Kaum hat man allerdings den Lappen in der Hand – mittlerweile ist es ja kein Lappen mehr, sondern eine Karte – denkt man, dass man als einziger die Daseinsberechtigung auf den Straßen besitzt.

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Hey du Vollhorst, es ist das Leben meiner Kinder, ich bin die Ehefrau meines Mannes, der nicht auf Arbeit über unseren Tod und damit sein Ende vom Leben informiert werden möchte. Und auch du wirst von irgendjemandem erwartet, dem du wichtig bist. Nimm dir die zwei Minuten Zeit, wenn ich mit den erlaubten 60km/h durch den Ort fahre und drängle nicht zeternd hinter mir, weil du dir einen Job mit Zeitdruck ausgesucht hast. Du wirst auch nicht effizienter, wenn du die 30m bis zu deinem nächsten Halt 80km/h anstatt der erlaubten 60km/h fährst. Und denke daran, dass Menschen wie ich bei deinem Arbeitgeber anrufen und auch gern dafür sorgen, dass du diesen ungeliebten Job los wirst. Insbesondere dann, wenn du die Karre deines Arbeitgebers fährst – mit großer Reklame darauf.

Menschen wie du töten andere Menschen. Du bist nicht besser als der Serienkiller oder der Pädophile, der dein Nachbarskind missbraucht.

Seid doch alle einfach achtsamer. Denkt daran, dass WIR ALLE gesund nach Hause kommen wollen. Wir müssen uns dem aufgezwungenen Zeitdruck nicht hingeben. Es stresst, es ist ungesund und lässt uns nicht mehr klar denken. Wir müssen nicht als unzurechnungsfähige Gefährder auf den Straßen unterwegs sein.

Das gilt übrigens auch für die 30 Zone bei uns im Ort. Es muss nur einmal unvorhergesehen, völlig untypisch als sonst ein Kind auf die Straße laufen. Aus Trotz, aus Neugier, aus Unachtsamkeit. Möchtest du dieses Kind überfahren während dein eigenes weiterhin alles von dir in den Arsch geschoben bekommt? Ja, auch wieder wahnsinnig harte und unfreundliche Worte. Aber es ist die Wahrheit. Es ist eine Tatsache. Was immer der Grund für die sinnlose Raserei ist – es ist NIEMALS wichtiger als ein unschuldiges Leben und die Verantwortung, die du als Fahrzeugführer dafür trägst. Anhand eines ganz simplen Beispiels kannst du dir bewusst machen, dass nur 10km/h einen Unterschied für Leben oder Tod ausmachen. Rechne dir den Bremsweg für eine Geschwindigkeit von 30km/h und dann für 40km/h aus.

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