#freitagsklatsch

Es ist wieder soweit. Der Tag, an dem ich meine Gedanken sortiere und Gefühle benenne. An dem ich die Wahrheit hinaus trage. Der Beitrag, der anderen sauer aufstößt oder andere wach rüttelt.

Ich beginne mit all diesen Müttergruppen. Ich war schon in etlichen Gruppen aktiv. Egal, ob bei Whatsapp oder Facebook. Doch aus den meisten bin ich wieder ausgetreten. Absolut nervig finde ich, dass es immer wieder Zankereien gibt. In der Regel entsteht so etwas, wenn man nicht einer Meinung ist. Das fängt bei Kleinigkeiten an und endet bei großen Themen wie Impfen.

Jede Partei möchte die andere Seite bekehren. Und so argumentiert man immer wieder gegen sein Gegenüber. Solange bis einem von beiden der Kragen platzt. Mir geht sowas auch auf den Keks. Gern lese ich Neues, lasse mir andere Wege und Möglichkeiten aufzeigen. Aber, wenn ich mir ganz sicher bin, dass etwas so ist wie es für uns ist, dann möchte ich nicht ständig irgendwelchen Sticheleien ausgesetzt sein oder mir gar erklären lassen müssen, dass ich dämlich bin, weil ich nicht so lebe wie mein Gegenüber.

Und tatsächlich geschieht das nach wie vor. Und das auch nur, weil mein Gegenüber sich nicht beliest oder mich ignoriert und deshalb einfach sagt, dass ich komische Ansichten habe. Glücklicherweise stehe ich aber auch mit etlichen anderen im Austausch, ziehe Lektüre und muss anderen meine komischen Ansichten nicht aufzwingen. Das erwarte ich von meinem Gegenüber allerdings auch. Wenn ich also einen sachlichen Kommentar zwischen Tür und Angel schreibe, damit jemand anderes einen Anhaltspunkt bekommt, um selbst recherchieren zu können, ich gleichzeitig auch noch ehrlich schreibe, dass ich mir nicht so ganz sicher bin, ob es nicht eine andere Ursache haben könnte – dann ist es einfach nur frech sich als Besserwisser hinzustellen und andere nieder zu machen. Es ist dreist, wenn das auch noch eine Pädagogin macht, die sich ja eigentlich regelmäßig weiterbilden sollte. Und noch schlimmer ist es, wenn man sich in eine Traumwelt flüchtet und sich nicht auf dem Laufenden hält, was den Gendefekt des Kindes betrifft.

Was ich damit meine? Also, unsere WBS-Kinder werden mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit alle geistig behindert bleiben. Der eine mehr, die andere weniger. Klar, sie werden alle irgendwie ein normales Leben führen. Aber nie wirklich allein, sondern in aller Regel entmündigt und mit Betreuer an der Seite. Es gibt dann tatsächlich Mütter, die sich einreden wollen, dass dem nie so sein wird. Es gibt Mütter, die, wenn man sich darüber austauschen möchte, komplett dicht machen und so tun, als würde man behaupten, dass die Kinder jeden Augenblick sterben – solche Themen also auch als tabu deklarieren.

Ich empfinde dabei einfach Empörung. Denn in diesem Fall nimmt man sein Kind nicht so an wie es ist, sondern möchte es zu dem machen, was man selbst gern hätte. Und über Eventualitäten zu sprechen und nachzudenken heißt dabei nicht, dass man den Teufel an die Wand malen möchte, sondern, dass man zum frühstmöglichen Zeitpunkt die Entscheidungen so trifft, dass es gut für das Kind ist. Klar, man kann ein Leben nicht planen. Aber, wenn ich weiß, dass mein Kind auch über die Volljährigkeit hinaus jemanden braucht, dann kann ich zeitig dafür sorgen. Ich kann mein Kind absichern, bevor es überhaupt volljährig wird. Und ich finde, dass man seinem Kind diese Chance nimmt, wenn man einfach nur schweigt und sich nicht darüber austauschen kann.

Ich habe lange getrauert, weil ich mir für mein Kind einfach mehr Möglichkeiten erhofft hatte. Weil ICH einfach mehr wollte. Es hat lange gedauert bis ich mit meinen Gefühlen zurecht kam. Und ich weiß, dass ich mir ganz oft jemanden gewünscht habe, der oder die mit mir darüber reden mag. Einfach nur, um dieses Gedankenwirrwarr zu sortieren. Und trotzdem stieß ich jedes Mal auf Gegenwehr. Irgendwann resigniert man. Man geht seinen Weg allein. Man findet allein andere Möglichkeiten. Das ist okay. Aber es ist nicht schön.

Wo sind all die Menschen hin, die selbiges erlebt haben und nicht dieselben Fehler machen und anderen diese Bürde auflegen?

So what, es ist ihre Entscheidung, dass sie so leben. Ich finde es nicht okay. ABER – und genau dieser Punkt ist entscheidend – ich muss es ihnen nicht permanent auf die Nase binden, was ich davon halte.

Eigentlich ging es um etwas völlig Simples wie das Trocken werden. Ich wurde selbst schon mehrfach darauf gestoßen, dass man dem Kind einfach Zeit gibt, Töpfchentraining nicht gut ist, weil es zum einen zur Inkontinenz führen KANN und zum anderen das Kind in etwas gedrängt wird, womit es womöglich später Probleme hat – das loslassen können. Ich hatte noch einiges dazu geschrieben und bei einer Sache auch ehrlich geäußert, dass ich mir nicht sicher bin, dass es so ist. Punkt. Für mich war das einfach nur ein weitergeben der Informationen, die ich mir erarbeitet habe. Das kann man annehmen und weiter recherchieren oder überlesen, wenn man es nicht für schlüssig hält. Ein Hühnergegacker von Müttern, die damit nicht klar kommen, dass es so etwas tatsächlich gibt, ist mir dann auch irgendwann zuwider. Das ist nämlich MEINE Zeit, die ich für andere investiere, die zu faul sind – an was anderem kann es doch nicht liegen, jeder hat ein Smartphone zum googlen – sich regelmäßig zu informieren.

Ich meine, ich verbringe doch nicht meine wertvolle Zeit mit Arztgesprächen, Bücher und Artikel wälzen, damit andere bequem vom Sofa alles auf dem silbernen Tablet serviert bekommen. Auch ICH habe ein behindertes Kind. Warum sind andere nicht in der Lage dazu, sich selbst darum zu bemühen? Da wird doch immer diese fröhliche Lebenseinstellung und die Kämpfernatur unserer Kinder in den Himmel gelobt und die Eltern … kriegen es nicht gebacken.

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Wie fair ist es, wenn man von (Moment, ich recherchiere noch einmal den genauen Wortlaut) … ‚… fehlt der richtige Saugreflex, so nennen wir das…‘ spricht und das Kind bereits 20 Monate jung ist? Sind die Eltern sich nicht bewusst, dass, wenn das Kind da immer noch nicht richtig trinken kann endlich eine Therapie begonnen werden sollte? Was machen die Eltern? Den Hintern in die Sonne halten und sich freuen?

Erhält ein Kind so eine Diagnose, dann informiere ich mich doch umfangreich und schaue, dass ich meinem Kind einen besseren Verlauf der nächsten Zeit ermöglichen kann. Stattdessen gebe ich so ein lustiges Zeugs von mir und lasse andere Eltern mit frischer Diagnose dumm sterben. Ja, harte Worte. Aber man ist einfach … wie erstarrt, wenn man so eine Diagnose bekommt und das Kind noch sehr jung, gar ein Baby ist. Man kann nicht einmal ansatzweise abschätzen, was auf einen zukommt und dann liest man sowas.

Ach ja, und dann gibt es ja noch diejenigen, die meinen mir immer und immer wieder sagen zu müssen, dass Kinder NUR dann sozialisiert werden können, wenn sie in den Kindergarten gehen. Und sie würden so ja viel besser lernen. Tja, was soll ich dazu sagen? Unsere Tochter konnte ein paar Tage nach ihrem ersten Geburtstag krabbeln, viele lernen dies erst mit 20 Monaten. Soll ich mich jetzt hinstellen, so argumentieren und dann erklären, dass sie schuld sind, das ihre Kinder das erst so spät lernen, weil sie sie so früh in die Krippe gesteckt haben? Merkt ihr wie lächerlich das Ganze ist?

Nein, ich starte natürlich nicht derartige Vorwürfe, weil das jeder selbst entscheiden muss. Unabhängig davon ist es ja regional auch noch einmal anders. Wir haben hier einfach keine so breite Auswahl, auch, was freie Schulen betrifft. Ja, genau deswegen jammere ich so. Ich würde gern. Aber doch nicht halbherzig unter solchen Bedingungen. Schließlich trage ich die Verantwortung für meine Entscheidungen, die das Leben meiner Kinder betreffen und beeinflussen. Und ich habe mir das mehr als nur einmal überlegt, nein, ich habe es sogar probiert und noch Schlimmeres erlebt als ich erwartet hatte.

Es ist letztendlich ein Angriff auf die Persönlichkeit eines Menschen, wenn ich andauernd an dieser Person umher mäkel. Und das ist eindeutige Grenzüberschreitung. Aber, was soll man in dieser Gesellschaft auch erwarten, wo wir narzisstisch (die Autokorrektur löscht übrigens oft das zweite ‚S‘ – wundert euch also nicht) erzogen werden und gefühlskalten Egoisten werden. Ich sag nur: ‚Das macht hier jeder so.‘ Ach ja? Deshalb musst du dich auch nicht an Gesetze, Verordnungen und Satzungen halten?

Fakt ist: man kann die Verantwortung nicht einfach anderen zuschustern. Man sollte bei sich selbst anfangen. Grenzen anderer Menschen zu überschreiten, sei es mit Ruhestörung, Beleidigung oder sexueller Übergriff – es ist alles dasselbe und kann in jedem Fall eine Menge Schaden anrichten. Und am Ende ist das Geheule groß, wenn die Bombe platzt. Genau darüber sollte man ganz intensiv nachdenken.

PS: Sollte jetzt jemand, aufgrund meiner Wortwahl, sich genötigt fühlen gleich das SEK oder ähnliches vorbei zu schicken – Leute, meine Kinder schlafen und ich reiße euch in der Tat den Kopf ab, wenn irgendjemand klingelt oder klopft (ach, ich vergaß, dass ich ja abends vortippe – sie werden wohl also bereits wach sein 😉) … oder die Tür einschlägt. Ich habe keinen Sprengsatz liegen und mir auch keine Bombenbastelanleitung gezogen. Manchmal ist eine Wortwahl einfach eine Wortwahl – ganz oft, um den Spiegel vor das Gesicht zu halten. Das gelingt am besten mit nackten Tatsachen. So war das auch schon vor 10 Jahren, damals, als ich noch zur Schule ging. ✌

So, und nun noch ein paar Worte zum Besuch beim Kinderkardiologen: es war scheiße. So richtig Kackewurst! Obwohl ich zwei Stunden vorher los fuhr, damit Manschetten zum Blutdruck messen angelegt werden konnten um sie danach in den Schlaf zu tragen, ging gar nichts. Das Gefühl auf der Haut von dem Plastik, der Druck der Manschette – alles war kackemist. Sie schrie, als würde man sie ohne Narkose oder Schmerzmittel aufschneiden. EKG haben wir auch gleich ganz sein lassen. Aber Ultraschall war möglich. Spärliche Infos bekommen – hauptsache es wird nicht schlimmer. Reicht also. Noch kurz darüber ausgetauscht, dass man keine Kinderklinik in der Nähe findet, die auf das Kind eingehen können und wirklich nur das Nötigste machen, um letztendlich genauso schlau und völlig durchgeschwitzt mit klammen Jeans wieder heim zu fahren. So lobe ich mir doch einen Arzttermin – Aufwand für (gefühlt) Drillinge und die Ernüchterung, dass es völlig umsonst war. Ich bräuchte jetzt Tequila. Oder sowas in der Art.

Und zum Bild mitten im Text: ich tausche mich immer mit den Therapeuten aus und binde Übungen ins Spiel mit ein. Ich gebe fast immer Hilfestellung, wenn es um die bessere Asuführung von Bewegungsabläufen geht. Für unsere Tochter ist es daheim, von mir selbst durchgeführt, völlig normal und in Ordnung. Gleichzeitig saugt sie diesen Input auf und setzt ihn schnell um. DAS ist fair. Ich bemühe mich meinem Kind gegenüber den Entwicklungsrückstand mit unseren Möglichkeiten so gering wie möglich zu halten. Das bedeutet auch, ihr genau das zu geben, was sie braucht. Klar, ich bin oft völlig ausgelaugt und denke mir, dass ich einfach keine Lust mehr habe sie durch die Gegend zu tragen und liebend gern einfach nur noch vor dem TV zu versacken. Aber das ist okay. Ich darf k.o sein. Ich darf das auch so äußern und auch mal weniger tolle Lösungen heran ziehen, um tatsächlich auch meine Bedürfnisse stillen zu können. Denn das darf man nicht vergessen: die Kinder profitieren auch von ihren gesunden Eltern.

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