Gewalt am Kind in der Betreuung

Also, ich muss vorab warnen! Ich bin einfach geschockt. Ich bin unfähig standhaft das zu verteidigen, was mir lieb ist und muss einfach loswerden, was mich bewegt. Dieser Beitrag basiert auf meine persönlichen Erfahrungen, die nun leider eher negativ sind. Wer also solche Erfahrungen nicht neutral aufnehmen kann, sollte es lassen diesen Beitrag zu lesen.

Es geht hier um die Betreuung außerhalb, die Eingewöhnung und das kitafreie Leben. Ich beginne damit, dass ich berichte, wie ich groß geworden bin. Kurzum: ich ging vielleicht ein halbes Jahr in die Dorfkita, die dann auch recht bald geschlossen wurde. Ich weiß noch, dass man mir dort auf den Po haute, weil ich mich nicht entkleiden wollte, was man aber zum Schlafen gehen tun musste. Neben dem Spielen draußen, fühlte ich mich unwohl. Es waren so viele Fremde, die Lautstärke und überhaupt. Davor und danach wurde ich nie wieder irgendwo betreut, sondern wuchs als Dorfkind einfach kitafrei auf. Wir spielten mit den Kindern im Ort, lernten freihändig Radfahren, unternahmen Ausflüge in andere Dörfer, rodelten in der Hölle (so wurde ein Waldstück mit Bach genannt) die Berge hinunter und bauten Höhlen. Wir fanden Katzenbabies, modderten mit Pfützenwasser und Holunderbeeren unser Essen.

Als ich eingeschult wurde, fand ich das alles natürlich ein wenig befremdlich. Aber es war nie so, dass ich morgens weinte oder überhaupt irgendeine Angst entwickelte. Ich langweilte mich schnell im Unterricht und war bisauf meine Unaufmerksamkeit eine gute Schülerin.

Nun zu unserer Räuberstory. Letztes Jahr im April – mitten in der Schwangerschaft – war es an der Zeit den Kitaplatz zu reservieren, den ich frühestens ab dem dritten Geburtstag für den Räuber geplant hatte. Ich persönlich finde eine Betreuung in einer Einrichtung unter 3 nicht gut. Es gibt diverse Studien, die belegen, dass es einen negativen Einfluss auf die psychische Entwicklung des Kindes nimmt. Ich habe auch noch einige andere Gründe, die mir das Vertrauen in so eine Einrichtung nahmen – mitunter, dass ich als junge Heranwachsende dazu gezwungen wurde, Krippenkindern das Essen gegen ihren Willen in den Mund zu stopfen. Da wird dann auch schon mal der Kopf festgehalten. Ich kann gar nicht in Worte fassen, was in mir passiert, wenn ich diese Situation noch einmal durchlebe. Es ist wie ersticken. Ein stark beklemmendes Gefühl.

Natürlich wollte ich auf Nummer sicher gehen und warten, bis der Räuber selbst sprechen kann und mir eventuell von Missständen berichten kann, obwohl ich eigentlich daran glauben wollte, das alle Pädagogen wissen, was der Psyche der Kinder schadet.

Nun denn, ich wählte also die kleine Kita, die einen netten Charme hatte – das Gebäude ist etwas außergewöhnlich und wenig Kinder bedeutet ja auch, dass es etwas übersichtlicher und ruhiger zugehen sollte. Mir stießen allerdings schon gewisse Aussagen der Kitaleitung während des ersten Gespräches auf und ich ging mit einem unguten Gefühl, dass sich bis in dieses Jahr zog. Bis Ende August haderte ich mit mir, ob ich den Platz absage oder nicht.

Von außen wird einem suggeriert, dass Kinder NUR in einer Einrichtung soziale Kontakte zu anderen Kindern hätten. Darüber hinaus hätten Kinder nur Probleme mit der Trennung, wenn die Mutter nicht loslassen kann. Man würde seinem Kind etwas ganz tolles verwehren. Und überhaupt könne man die Kinder nicht so fördern wie die Erzieher.

Besonders das letzte Argument fand ich mega dämlich. Denn in Mecklenburg-Vorpommern kommen 15 Kinder auf einen Erzieher. Als Mutter kümmere ich mich um 2! Das sind 13 Kinder Differenz, Energie und Zeit. Darüber hinaus auch ganz viel Elternliebe mehr. Warum also soll es einem Kind daheim schlechter ergehen als Kindern in der Betreuung? Merkt ihr wie sinnfrei das ist?

Wenn ich keinen blassen Schimmer habe wie ich meinem Kind irgendetwas beibringen soll, dann kann ich mich dazu belesen. Das Internet bietet jedem die Möglichkeit sich weiter zu bilden. Und auch Bücher in der Bibliothek bilden eine gute Grundlage. Soziale Kontakte knüpfen Kinder in der Familie und auf Spielplätzen, in der Nachbarschaft oder bei Spielgruppen und Kindersport.

Nun, ich schulde euch den Ausgang meiner Entscheidung: die nicht-Instagramer wissen nicht, dass ich den Räubi für kitatauglich befand und beschloss, mir zu beweisen, dass ich mich sehr wohl lösen kann. So fand vor kurzer Zeit ein erneutes Gespräch mit der Leitung statt. Und wieder fielen Sätze, die ein ungutes Gefühl hinterließen. So sollte ich mich darauf gefasst machen mein weinendes Kind ganz schnell abzugeben und zu gehen anstatt es im Arm zu halten, bis es sich beruhigt hat und bereit ist, sich zu lösen. Wer bock hat, kann mir ein Kommentar hinterlassen, welchen Eindruck diese Aussage hinterlässt.

Okay, mein Gehirn funktionierte nur. Es war ständig damit beschäftigt die immer wiederkehrenden Worte von der Tafel zu löschen. Aber das schien sich eingebrannt zu haben.

Ich war also positiv gestimmt und bestärkte den Räubi: In ein paar Tagen gehen wir wieder in den Kindergarten. Dann sehen wir [Erzieher] wieder und du kannst mit den Kindern spielen. Ist das eine coole Idee? Hey, na klar fand er das genial. Er wusste ja, dass er da tolles Spielzeug hat – hatte er nämlich vorher schon gesichtet – und auf den Außenbereich war er auch scharf.

So fuhr ich nach dem ersten Tag Eingewöhnung fort und erklärte ihm, dass er bei der Erziehern bleibt, wo A, J und L auch sind – die Gruppe ist derzeit noch klein und ich kannte nur diese 3 Namen vom ersten Tag.

Dazu erwähne ich, dass ich mehrfach erklärte, dass wir Belohnungen und Bestrafungen doof finden und sehr frei erziehen. Eben ungezogen. Bedürfnis- und bindungsorientiert. Nicht Laissez faire. Mir ist wichtig, dass ALLE die ganz persönlichen Grenzen, die die Kinder für sich setzen, akzeptieren und wahren. Ich bin die ersten 12 Jahre narzisstisch erzogen worden und lebte danach Laissez faire. Das sind zwei Extreme, die absolut nicht gut tun und schon ordentlich aus der Bahn werfen können. Man muss stark sein, um sich selbst nicht darin zu verlieren.

Nun schrieb ich im letzten #freitagsklatsch vom absoluten Horrorszenario, was in einer Kita passieren könnte und wie ich dazu stehe. Den Text tippte ich den Abend zuvor und plante den Beitrag einfach, sodass ich freitags ganz entspannt in den Tag starten konnte.

Der Räuber war so klasse in der Eingewöhnung, dass ich nach 10 Minuten entschied mich ganz entspannt zu verabschieden und hinaus zu gehen. Ich saß also eine Weile vor der Tür. Bis eine Mutter ihre Tochter brachte. Sie weinte bereits bei der Ankunft und es wurde mit Betreten des Gruppenraumes richtig schlimm. Sie klammerte an ihrer Mutter und weinte so bitterlich … Ich kann es einfach nicht beschreiben. Sie schrie die ganze Zeit: Nein! Bitte, Mama! Nein! Ich wurde richtig unruhig und bekam Panik, dass der Räuber dadurch Angst bekommt und ebenfalls anfängt zu weinen, betrat vorsichtig den Gruppenraum und fand die anderen beiden Kinder ziemlich erstarrt vor. Der Räuber war etwas irritiert aber spielte weiter. Ich verkrümelte mich in die Ecke. Die Erzieherin versuchte ansatzweise empathisch gegenüber der Mutter zu sein: Ich weiß, dass das nicht einfach ist. Mir fiel das auch sehr schwer mit meinem Kind. (Ähnlicher Wortlaut) Aber sie sagte, dass es besser ist, jetzt zu gehen. Das Mädchen beruhigt sich immer schnell. Tja, die Mutter stand auf, die Erzieherin packte das Mädchen von hinten und zog kräftig an dem jammernden Mädchen, dass ihre Mutter nicht loslassen wollte. Das Geschrei … die Blicke der anderen Kinder. Leute, eine Woche danach komme ich mir immer noch wie im falschen Film vor. Ich war leider auch unfähig etwas zutun. Einerseits wollte ich die anderen Kinder nicht noch mehr verunsichern, andererseits war ich einfach wie erstarrt.

Ich schrieb die außerordentliche Kündigung für den Kitavertrag und nahm mir vor, das Gespräch mit der Mutter zu suchen. Am selben Tag erfuhr ich dann auch, dass die Erzieherin die nächsten zwei Werktage nicht da sei und die Leitung die Gruppe übernimmt. Klasse, mitten in der Eingewöhnung. Wie soll er denn da einen Bezug zur Erzieherin aufbauen?

Montags wollte ich warten bis die Mutter kommt, um zu sehen wie die Leitung die Situation meistern würde. Der Morgenkreis hatte begonnen und es war eine kurze, viel weniger schlimme Übergabe. Dennoch suchte ich das Gespräch. Ich wusste nämlich nicht, ob die Mutter mich wütend oder verzweifelt angesehen hatte, als sie freitags den Raum verließ. Ich fragte, ob das immer so sei. Sie meinte, das sei in jeder Kita so und ihr Kind würde immer Theater machen. Das war in der Krippe schon so. Kurze Info: das Mädchen war vorher in einer anderen Kita in der Krippe und wechselte mit der Kita eben auch die Einrichtung selbst. Ich guckte sie verdutzt an und sagte ihr, dass sowas in einer guten Kita nicht gemacht wird, weil das gar nicht gut für die psychische Entwicklung eines Kindes ist. Sie schien gar nicht den Eindruck zu machen, als ob sie das stört. Also beschwichtigte ich, dass ich einfach nur wissen wollte, was das war und es einfach akzeptiere, wenn diese Handhabung für sie okay ist. Die darauffolgenden Tage kam die Mutter nicht in die Kita, demzufolge das Mädchen auch nicht.

Der Räuber machte die Eingewöhnung, die die Leiterin auf eine Woche beschränken wollte, wirklich super. Wir hatten aufgrund der Besonderheiten, die ich im Anamnesebogen angab, telefoniert, weil sie der Meinung war, dass das Konzept nicht zu uns passt. Ich brachte den Einwand, dass man das erst weiß, wenn man es versucht. Woraufhin sie die Eingewöhnung von zwei auf eine Woche kürzen wollte. Ich beließ es also dabei und gab die Kündigung nicht ab.

Zwischendurch hörte ich ihn mal weinen, wollte schon aufspringen und dann war wieder alles ruhig. Man verschwieg mir dieses Detail. Die letzten beiden Tage war er beim Abholen nur am weinen, sodass ich ihn da auch absolut nicht heraus bekam. Ich war zuhause also schon mega verzweifelt, weil ich mein mittlerweile entspannteres Kind nicht mehr wieder erkannte und fand das alles mehr als nur zum Haare raufen. Zu guter letzt bat die Leiterin um ein Gespräch, in dem sie mir mitteilte, dass es die Aufgabe der Erzieher ist bei psychischen oder entwicklungstechnischen Problemen die Eltern anzusprechen – nicht meine. Deshalb solle ich mit Frau W nicht mehr das Gespräch suchen. Wenn ich aber Kindeswohlgefährdung bemerken würde, dann könne ich dazwischen grätschen. Darüber hinaus ist das, was die dort machen mit Frau W abgesprochen.

Ja. Amen. – äh, hat dir mir gerade wirklich untersagt, dass ich mich mit anderen Eltern, mitunter auch, über Probleme in der Kita austauschen kann????? 

Die Erzieherin meinte ja freitags zur Mutter, dass sich das Mädchen beruhigt, sobald die Mutter geht. Klar, nach wenigen Minuten weint sie nicht mehr bitterlich. Aber sie hängt die ganze Zeit wie ein Trauerkloß im Gruppenraum, beteiligt sich nicht am Spiel und wollte sogar losweinen, als ich mich eine Stunde später mit dem Räubi verabschieden wollte. Ich reagierte: Ach, bist du jetzt traurig, weil wir gehen? schluchzendes Ja Das brauchst du gar nicht. Wir kommen ja Montag wieder. Und nachher, wenn deine Mama dich abholt, dann hast du ein ganz tolles Wochenende! Der Räuber streichelte sie an der Wange und ich holte mir, total gerührt von seiner Geste, ein High Five von dem kleinen Mädchen. Und ging. Mit dem Gedanken mein Kind nie wieder hierher zu bringen.

Doch er hatte bereits ein wenig Anschluss gefunden bei einem Mädchen, dass ihm sehr ähnlich ist. Ich war davon beeindruckt. Ungefähr soviel, wie ich von diese Lüge der Erzieherin geschockt war. Welche Mutter möchte, dass das eigene Kind SO den Kitaalltag verbringt???

Zwischendurch, morgens, in der Garderobe sitzend mit der Mausi im Tuch: die Leiterin übernahm die Krippenkinder bis Schichtbeginn der Erzieherin. Ein kleiner M weint. Man hört sofort, dass er erkältet ist. Die Leiterin schon total genervt Ach M, jetzt hör doch endlich auf! (in etwa der Wortlaut) und geht – irgendetwas machend und kommt ein paar Minuten später wieder. Bis dahin weinte der kleine Junge, wahrscheinlich auf dem Topf sitzend gefangen. Wie viel frostiger wünscht eine Mutter sich den Umgang mit dem eigenen Kind von Seiten der Betreuung? Insbesondere dann, wenn es krank ist und sich wahrscheinlich eh schon mega doof fühlt?

Mädels, es gibt so viele Möglichkeiten, die so viel mehr bieten und euren Kindern gut tun als das, was hier mit den Kindern gemacht wird. Anstatt das Kind schreiend zurück zu lassen, kann man noch 10 Minuten im Raum verweilen, bis sich das Kind gefangen hat und ins Spiel gefunden hat. Wenn man aber immer und immer wieder auf diese widerliche Weise auseinander geht, wird das Kind entweder nie loslassen können oder später richtige Ängste dahingehend entwickeln oder die Eltern-Kind-Beziehung wird so sehr zerstört, dass da immer ein großer Bruch sein wird. Auch das ist für die spätere Bindungsfähigkeit nicht gut.

Ich möchte euch wirklich dringend ans Herz legen das Buch Das gewünschteste Wunschkind aller Zeiten treibt mich in den Wahnsinn zu lesen. Dort wird erklärt wie das kindliche Gehirn funktioniert, wieso wir Erwachsenen oft mit Wut reagieren und der Meinung sind, dass Kinder dies und jenes absichtlich machen und wieso das nicht der Fall sein kann. Es hilft zu verstehen, was unsere Kinder denken und fühlen, warum ein pinker Becher im Abwasch zu einem großen Tränenausbruch führt und das völlig normal ist. Es erklärt, warum wir Erwachsenen uns so schwer tun zu akzeptieren, einfach auf unser Bauchgefühl zu hören, anstatt den Mustern unseres Verstands zu folgen.

Selbst mein Mann liest dieses Buch. Und, wer ihn kennt, der wird jetzt lachend Alles klar! rufen. Er hasst es nämlich Bücher zu lesen. Mittlerweile hört er sich lieber das Hörbuch an. Was aber keinen Unterschied macht. Was ich euch sagen möchte: es gibt eine bessere Zukunft. Macht es für eure Kinder!

Mein Fazit: die außerordentliche Kündigung reiche ich ein sobald dieser Beitrag heraus geht. Auch wird es weitere Folgen nach sich ziehen, da ich in keinster Weise dulden werde, dass Pädagogen Kindern gegenüber übergriffig werden und den Eltern suggerieren, dass diese Handlungsweise richtig und wichtig ist. Diese Form der psychischen Kindeswohlgefährdung darf es in Einrichtungen einfach nicht mehr geben! Es gibt nämlich sehr wohl Kitas, die die elterliche Bidnung stützen, ohne Belohung und Bestrafung (zb Ausschluss vom Sport) betreuen und gewaltfrei kommunizieren. Auch Worte sind eine Form der Gewalt!

Ich werde nun jegliche Form der Kita meiden und einfach unser eigenes Konzept anstreben. Gestern lungerten wir in etlichen Buchhandlungen herum und ich erspähte einige Bücher, die ich mir nach und nach zulegen werde. Um anderen Eltern Unterstützung zu bieten, dass sie genauso stark für ihre Kinder sind, überlege ich, dass ich eine Beitragsreihe einführen könnte, die praktische Ideen für Beschäftigungen und Förderung beinhaltet. Um aber eine Entscheidung treffen zu können, muss ich mir dazu genauere Gedanken machen.

Ich erhielt übrigens bereits Feedback aus der Umgebung, dass auch andere Einrichtungen mit anderen Kindern und Eltern ebenso verfahren. Mädels, seid stark! #starkemütter Eure Kinder müssen nicht leiden, weil Pädagogen genauso unterdrückt und manipuliert wurden. Sie geben genau das weiter, was sie selbst erlebt haben. Sie haben es nur vergessen. Erfolgreich verdrängt. Und sind in ihren Mustern gefangen.

2 Kommentare zu „Gewalt am Kind in der Betreuung

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