#freitagsklatsch

Eigentlich fällt mir gerade nur ein: Ooops?! von den Lippen. Aber das wäre ja jetzt zu langweilig. Stattdessen gebe ich euch wieder Input zum Nachdenken mit auf die Couch. Lasst euch den Wein und das allabendliche Bier schmecken – ich proste euch am Ende des Beitrages mit meinem Eisbecherchen zu.

Okay, wo anfangen? Ich denke, dass ich ein sehr spannendes Thema für später aufheben werde. Ich muss nämlich erst schauen wie sich das entwickelt. Es wird jedenfalls in die Richtung gehen, die ich heute ansetzen werde und ich kann noch nicht sagen, wie ich das finden werde, da ich noch nie so eine Phase durchlebt habe.

Weiter mit dem Uneinheitsbrei: diese Woche sprach ich mit einem Kinderpsychologen. Tja, vor dem Termin habe ich mir schon die schlimmsten Szenarien ausgemalt. Ich hatte schon einmal verlauten lassen, dass mit dem Räubi wohl etwas nicht stimmt und die Kinderärztin eben jenen Besuch empfahl als ich ihr davon berichtete.

Ich empfahl euch bereits Bücher vom dänischen Familientherapeuten Jesper Juul. Er schreibt in seinen Büchern mitunter von autonomen Kindern. Nicht unbedingt von Kindern in der Autonomiephase, die sowieso jedes Kind durchlebt, sondern von Kindern, die bereits ab der Geburt so reif/alt wirken, alles allein machen wollen, keine Nähe zulassen und absolut nicht manipulativ sind, wenn man auf Kooperation vom Kind angewiesen ist (im Straßenverkehr, beim Arzt …). Das einmal gaaaaanz grob! zusammengefasst.

Okay, ich bekam aber auch schon Tipps in die andere Richtung und es stand plötzlich das Wort Autismus im Raum. Auch ADHS ist mir ein Begriff. Nachdem ich nun emotional von Hölle über Himmel alle Gefühle durchhabe, was die Diagnostik unserer Tochter betrifft, sah ich das mittlerweile ganz entspannt. Mein Motto ist: wo ein besonderes Kind groß wird, kann auch ein weiteres Kind mit Besonderheiten groß werden.

So sprach ich also alles an, was mir auf dem Herzen lag. Ich fühlte mich eher unbehaglich, weil meine ehrliche Sicht der Dinge schon so einen komplizierten Jungen beschrieben. Aber mein ungutes Gefühl wich mit jedem weiteren Wort des Psychologen, der ganz richtig erkannte, dass wir eine starke Bindung haben und ich einen guten Job mache. Er kritisierte mich scharf, indem er meinen Perfektionismus und meine hohen Ansprüche an mir selbst auf den Tisch legte. Das war aber nichts Neues für mich, da ich mir dieser Unperfektheit bewusst bin. 😉

Im Endeffekt sagte er mir, dass ich klug bin. Punkt. Er begründete es mit der Fähigkeit mich und mein Handeln selbst zu reflektieren und Wege zu finden, um scheinbar Unmögliches machbar zu machen.

Ich bin also Mutter eines gesunden und sehr starken Kindes. Ich habe einen – meinen ersten – Sohn zur Welt gebracht, der ganz genau weiß, was er will und mir gleichermaßen seine Grenzen aufweist wie ich es ihm vorlebe.

PicsArt_08-06-08.26.32

Gleichermaßen traf mich folgende Erkenntnisse – und genau darauf möchte ich hinaus: in unserer Gesellschaft sind solche unwilligen Kinder unbeliebt. Sobald sie nicht alles machen, was ihnen befohlen wird, beginnen die Erwachsenen sie zu erpressen – Du bekommst das Eis, wenn du mir einen Kuss gibst – und vergessen, dass man damit massiv Grenzen überschreitet. Viel schlimmer an dieser Sache ist, dass Menschen, die ihren Beruf bewusst gewählt haben und mit Kindern arbeiten müssen, absolut nicht in der Lage sind die Kinder so zu nehmen wie sie sind.

Ich rede von Ärzten und Erziehern. Von Menschen, die Mütter wie mich als unfähig darstellen und Schuldgefühle hinterlassen, die absolut unberechtigt sind. Denn wie anders als ich soll man es machen? Eben. Gar nicht. Es wird immer Menschen geben, die unzufrieden sind und in allem nur das Schlechte sehen.

Die Wahrheit, dass sie ihre Kinder nicht respektieren, sie ins Zimmer sperren, als bescheuert betiteln, weil sie aufgrund ihrer Genetik nicht einfach ihre elterliche Liebe ablegen können – es ist eine Schande. Vor einiger Zeit wurde mir empfohlen mich als Sozialarbeiter umzuorientieren. In jenem Augenblick war ich irritiert. Mir war nie bewusst wie sehr ich mich engagiert habe. Und dennoch kam es für mich nie so richtig in Frage, da mein Herz viel zu groß und viel zu ungeschützt von mir selbst ist. Es würde an den Schicksalen zerbrechen.

Mein Fazit: es ist nicht einfach, wenn man mit Kindern, die nicht auf’s Wort kuschen und sich erpressen lassen, in die Gesellschaft hinaus tritt. Man muss wahnsinnig stark sein, um all das mit Würde zu tragen und der Fels in der Brandung zu sein. Nur so können unsere Kinder selbst so stark werden. In gewissen Momenten sollte man sich dem gegenüber verschließen, was einem andere Unwissende Ansichten möchten. Denn einzig allein der Neid und die Unfähigkeit sind das, was übrig bleibt.

Und irgendwann werde ich bei dem ganzen Lob, was mir seit Geburt unserer Tochter entgegen gebracht wird, ganz hochnäsig in die Welt hinaus treten und wissen, dass es gut ist – so wie es ist. Nichts und niemand wird mir dann etwas anhaben können.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Bloggen auf WordPress.com.

Nach oben ↑

%d Bloggern gefällt das: