Rückblick eines Krankenhausaufenthaltes auf der Kinderintensivstation

Im Februar diesen Jahres habe ich eine sehr – für mich wirklich schlimme – und unangenehme Erfahrung mit einem Krankenhausaufenthalt gemacht. Gute vier Monate danach muss ich mich wieder mit einem Krankenhausaufenthalt auseinander setzen und ich merke, wie ich zunehmend nervös, wütend und hilflos werde. Alles in mir wehrt sich dagegen und ich kann nichts dagegen machen. Ich hatte im Februar bereits darüber gebloggt und werde heute noch einmal erzählen wie es dazu kam und was ich erlebte.

Ich war zur U-Untersuchung mit den Kindern beim Doc. Februar. Also, wer in dieser Jahreszeit zum Doc gehen muss wegen einer U-Untersuchung ist wirklich arm dran. Denn wie es so kommen musste, schleppte der Räuber eine wirklich fiese Erkältung mit an. Zum ersten Mal war er so krank, dass er nichts essen oder trinken wollte. Er verschmähte Wassereis, Süßigkeiten, seine geliebte Bananenmilch, ein ganz besonderes Highlight eines Trinkpäckchens usw usw. Ich machte mir solche Sorgen, dass ich mit ihm Freitagabend in die Kindernotaufnahme fuhr. Dort mussten wir ewig lange warten. Und im Endeffekt wurden wir heim geschickt, weil es ihm noch nicht zu schlecht ging. Dort trank er dann nämlich endlich einige Schlucke Wasser aus einem Becher. Mittlerweile vermute ich, dass er an diesem Abend den Höhepunkt überwunden hatte.

Ich erwähnte noch, dass unsere Tochter einen Gendefekt hat und noch sehr jung ist. Aber man sagte mir, dass das in Ordnung sei und ich mir keine Gedanken machen sollte. Bis zu diesem Zeitpunkt wusste ich noch gar nicht wirklich etwas von einem RS-Virus. Ich las den Begriff zu dem Zeitpunkt immer wieder bei Facebook, hatte aber absolut keine Ahnung. Spätestens in diesem Moment hätte ich mir eine vernünftige Aufklärung gewünscht. So schlief ich also nachts beim Räubi im Zimmer, weil ich mir wirklich Sorgen machte. Seine Hustenanfälle waren nämlich auch sehr schlimm – er hatte öfter mal leichte Pseydo-Krupp-Anfälle und wir hatten das Notfallmedikament daheim. Auch dies hatte ich noch beim Gespräch mit dem Doc erwähnt.

Natürlich wurde auch ich krank. Und die Mausi steckte sich ebenso an. Sie wurde aufgrund der Bauchlage im Schlaf nachts und einiger Atemaussetzer schon einige Zeit an einen Monitor geklemmt. Ich war dazu einige Monate vorher in einem Schlaflabor. Aufgrund dieses Monitors sahen wir natürlich während der Zeit, dass ihre Sauerstoffsättigung nachts immer schlechter wurde. Die erste Nacht pendelte es knapp über 92% mit Tendenzen zu 90%. Die zweite Nacht war dauerhaft unter 92% Sauerstoffsättigung. Da fingen wir dann an uns zu fragen, was wir machen sollen.

Erst einmal klemmte ich mich an den Sauerstoffsensor damit das Gerät endlich aufhörte zu piepsen. Die Mausi schlief. Durch ihre Schlafstörungen, die Erkältung und den Zustand des gerade Schlafens, hielt ich das für das Beste. Ich muss im Nachhinein dazu sagen, dass das wirklich fahrlässig war. Und nun erkläre ich, weshalb wir das so gemacht haben: als ich diesen Monitor im Krankenhaus bekam, habe ich mir erklären lassen, ab wann ich unbedingt mit der Mausi ins Krankenhaus sollte, wenn die Werte abweichen. Da war im Gespräch, dass neben gar nicht atmen eben eine dauerhafte Sättigung von 96% und weniger unbedingt Grund genug wäre bereits den Krankenwagen zu rufen, damit im Falle eines weiteren Abfalls eben gleich ärztliche Versorgung gewährleistet ist.

Ich habe also in diesem Moment wirklich ein Gefühl von Panik und Hilflosigkeit gehabt. Denn, wenn man die Gedanken weiter ausführt, fällt einem auf, dass sie ja krank war. Sie hatte eine verstopfte Nase und leichten Husten. Und natürlich ist die Atmung im Schlaf ja noch einmal viel ruhiger. Nun hatten wir eben diesen Gedanken: wenn wir diesen Monitor nicht hätten, dann wüssten wir nicht, dass ihre Sättigung runter geht. Wie machen das denn andere Eltern, deren Kinder nicht am Monitor liegen? Wir saßen im Bett und guckten uns fragend an.

Ein weiterer Faktor, der uns so handeln lies, war, dass sie im Gegensatz zum Räuber Nahrung aufnahm. Natürlich war zu dem Zeitpunkt die Nahrungsaufnahme sowieso ziemlich mies aufgrund des Gendefektes und der Trinkschwäche. Aber ich merkte in der Zeit des Infekts keinen Unterschied. Sie schlief einfach lediglich mehr. Und das fand ich gut. Es heißt ja nicht umsonst, dass man sich in so einem Fall lieber gesund schlafen sollte. Nun, wir wollten abwarten.

Zwei weitere Nächte hielten wir es aus. Ihr ging es nicht unbedingt viel schlechter. Und trotzdem machte ich mir Sorgen und wir entschieden, dass einfach ein Doc über die Sache schaut. Gesagt, getan. Wir saßen also Samstagnachmittag in der Kindernotaufnahme. Die Ärztin war lieb, bestätigte unsere Gedankengänge und stellte fest, dass die Lunge frei sei und auch sonst keine Auffälligkeiten seien. Es ist eben ein Infekt. Punkt. Ich erklärte noch kurz die Situation mit dem nachts piepsenden Monitor – natürlich sagte ich nicht, dass ich den Sauerstoffsensor an mich klemmte. Die Ärztin wollte eine Schwester der Intensivstation fragen, ob man den auslesen könnte. Sie erklärte die Situation und wir entschieden uns dann alle für eine stationäre Aufnahme auf der Intensivstation. Bis dahin war ich zwar weniger glücklich über diesen Verlauf aber noch sehr positiv gestimmt.

Tja, und dann ging es los. Ab auf Intensiv. Da wurde sie an die Überwachung geklemmt. Ihre Werte waren nicht toll und man nahm ihr Blut ab, weil man das RS-Virus und eventuell Keuchhusten vermutete. Boa, dachte ich. Aber okay, kann ja nicht so schlimm sein. Man erklärte mir übrigens immer noch nicht, was genau das RS-Virus ist. Und zum heutigen Zeitpunkt finde ich das absolut schäbig.

Noch viel schlimmer allerdings war, dass man missachtete, das ich erklärte, wie besonders die Mausi ist. Ich erzählte von den Schlafproblemen usw. Und anstatt dann eben die Umgebung ein wenig anzupassen, musste man mir erklären, dass ich doch total erschöpft sein muss und fragte mich wie ich das denn schaffe.

Ja, also. Sie ist meine Tochter. Was soll ich denn dazu sagen??? Das ist doch wohl Grund genug das alles irgendwie zu schaffen. Jedenfalls war es mir wirklich zu blöd, dass man mir so auf die Tour des Sie sind ja nicht wirklich in der Lage sich um so ein Kind zu kümmern kam. Denn diese Menschen hatten absolut nichts begriffen. Und natürlich war auch niemand in der Lage sich auch nur ansatzweise mit dem Gendefekt und die Eigenheiten auseinander zu setzen. Das sind diese Menschen übrigens immer noch nicht. Dazu komme ich aber später. Wird nämlich lang hier …

Als ich es endlich geschafft hatte sie zum Schlafen zu kriegen, fiel natürlich die Sättigung wieder ab und eine Schwester kam und legte ihre die Sauerstoffbrille an die Nase. Natürlich grabschte dieses grobe, korpulente Weib, welches wohl noch zu DDR-Zeiten gelernt hatte – Leute, ich bin wirklich immer noch so unfassbar schockiert und wütend, ich könnte diese Frau noch heute in Einzelteile zerlegen und im Garten verbuddeln! – mein schreiendes Baby wie ein Stück Fleisch. Diese wurstigen Finger in ihrem kleinen Gesicht.

Und, um es auf die Spitze des Eisberges zu treiben, muss dieses Elend natürlich auch noch mein Kind wickeln, weil ja unbedingt die Temperatur gemessen werden muss. Ich hatte übrigens vergessen zu erwähnen, dass sie an diesem Tag endlich kein Fieber mehr hatte. Für mich also ein weiteres Zeichen, dass sie wieder auf dem Weg der Besserung war. Ich fand diese Angelegenheit wirklich übergriffig. Ich stand daneben und wusste einfach nichts zu sagen. Ich verstand nicht, warum man mich so behandelte, als hätte ich keine Ahnung von meinem Kind und müsse mir mit dieser groben Art zeigen wie man es richtig macht.

Ich versuchte die Mausi wieder zum Schlafen zu kriegen. Ich war enorm aufgewühlt. Die Mausi ebenso. Sie hasste diesen Sauerstoffschlauch und fand einfach keine Ruhe. Die Schwester aus der Schicht davor hatte erwähnt, dass es auch noch andere Möglichkeiten gibt im Falle des Falles. Ich entschied mich also dazu den Sauerstoffschlauch zu entfernen. Die Schwester kam rein und fand das gar nicht gut. Sie nahm die Mausi und wollte ihr den Schlauch wieder festkleben. Sie war dabei wirklich grob und die Mausi überstreckte ihren Kopf so weit und schrie so verzweifelt – ich wurde dann wirklich so wütend, dass ich ihr sagte, das sie die Finger von meinem Kind nehmen soll. Ich entfernte die Kleber, nahm mein Kind und band sie ins Tragetuch. Ich wusste mir in dem Moment nicht anders zu helfen sie vor Menschen wie dieser widerlichen Schwester zu schützen. Natürlich wurde ein riesen Gewese darum gemacht.

Ich war beharrlich, die Mausi schlief schnell ein und ihre Sättigung fiel nur wenige Male auf 92% und weniger ab. Das war aber so selten, dass wir die Nacht ohne Probleme rum kriegten. In diesem Zimmer gab es ein Klappbett, auf dem ich schlafen sollte. Diese Mausi sollte eigentlich in diesem Gitterbett liegen. Und man sagte mir, dass die Laufwege um die Monitore und das Bett herum frei sein sollten. Da die Mausi mit Kabeln nur einen beschränkten Bewegungsradius hatte, hing ich natürlich auch fest. Und so verbrachte ich die Nacht immer wieder einnickernd auf einem wirklich unbequemen Stuhl und fror.

Während dieser langen Stunden ratterte es in meinem Kopf und ich wollte unbedingt am nächsten Morgen unverzüglich das Krankenhaus verlassen. Ich wusste ja nun wie ich die Sättigung auch ohne zusätzlich Sauerstoff halten kann. Und daheim in meinem Bett ist die sitzende Position wirklich aushaltbar. Auch auf dem Wippstuhl hatte ich ja schon einige Male einige Stunden nachts vor Erschöpfung geschlafen. Auch das war wirklich viel besser als dieser Horrortrip.

Mein Mann verstand die Situation und wollte die Entscheidung mit tragen. So erklärten wir es dann der Ärztin. Diese meinte, dass die Blutergebnisse bald da sein sollten und sie diese abwarten wollte. Wir ließen uns dazu überreden die Zeit zu warten. Mittlerweile wurde es aber immer später. Die Mausi immer ungehaltener. Sie war übrigens wieder quietsch fidel. Ich kündigte dementsprechend an, dass ich nur noch bis zu einer gewissem Uhrzeit warten werde. Letztendlich hatten wir das Gefühl einfach ignoriert zu werden. Aufgrund der zunehmend Müdigkeit, der Uhrzeit und der Tatsache, dass der Räuber auch einen Tagesablauf braucht und wieder heim muss, entschieden wir uns die Sachen zu packen, ins Auto zu räumen, die Mausi von den Monitoren zu klemmen und zu gehen.

Der Mann schnappte die Mausi, ging zum Auto und ich wollte uns abmelden. Klar, ich rechnete mit Gegenwehr. Aber nachdem, was da gelaufen ist, konnte ich diese Situation für die Mausi nicht verantworten. Stattdessen fing dann die Ärztin an mir zu drohen die Polizei und den Familienrichter zu rufen, weil sie der Meinung war, dass wir das Wohl unserer Tochter aus den Augen verloren haben und unsere Unzufriedenheit auf ihrem Rücken austragen wollen. Das war der Moment, den ich niemals vergessen werde. Denn damit begann ein Prozess, der mich so sehr prägte, dass ich wirklich regelrechte Angst vor Arztbesuchen und anderen notwendigen Terminen mit der Mausi habe.

Nicht, weil die Ärztin recht hat, sondern einfach, weil diese Frau nicht verstanden hat, dass es nicht nur ihr RS-Virus-blabla gibt, sondern eben auch noch meine Tochter mit ihrem Gendefekt. Mit der Hypersensibilität. Mit den Schlafstörungen. Mit den Arterienverengungen. Das alles zählte auf einmal nicht mehr. Und plötzlich sollten wir die Eltern sein, die nicht zurechnungsfähig sind.

Der Oberarzt kam hinzu und wollte unbedingt, dass wir da bleiben. Er bot uns ein anderes Zimmer, eine andere Station an usw usw. War ja nett. Aber ganz ehrlich? Ich kenne dieses kleine Mädchen sehr gut. Und für mich stand fest, dass die Situation überdramatisiert wurde. Nach den Erklärungen zum RS-Virus, die er dann endlich einmal brachte, konnte ich ihm also anhand der Anzahl der Kranktage, der Werte und der Vitalität der Mausi erklären, dass wir längst auf dem Weg der Besserung sind und genauso ein Recht darauf haben nach Hause zu dürfen wie andere Eltern mit ihren Kindern. Unser Problem war letztendlich nur, dass wir viel zu spät ins Krankenhaus fuhren und wir somit nicht wirklich nachweisen konnten, dass der Höhepunkt bereits überstanden war. Selbst die aufgezeichnete Überwachung des Monitors konnten diesen Kopf des Oberarztes nicht gerade rücken.

Er wollte unbedingt mit meinem Mann sprechen. Also musste er mit zum Auto kommen. Er guckte noch einmal kurz auf die Mausi und horchte sie ab. Und anhand seines Blickes konnte ich sehen wie enttäuscht er doch war, dass es nichts gab, weshalb er irgendein größeres Bamborium hätte machen können. Letztendlich mussten wir uns auferlegen lassen am nächsten Tag noch einmal zu einem Gespräch mit einem Psychologen zu kommen. In einem Einzelgespräch fragte er meinen Mann, ob wir unsere Tochter sterben lassen wollen, weil sie so aufwendig ist.

Ich erkläre dazu, dass das RS-Virus eben durch die Senkung der Sauerstoffsättigung bewirkt, dass vor allem Säuglinge schneller atmen müssen, um das irgendwie auszugleichen. Das sei eine natürliche Reaktion des Körpers. Säuglinge strengt das sehr an, weshalb es dann oft dazu kommt, dass die Atmung aussetzt. Das sei sehr gefährlich. Und ja, da verstehe ich die Sorge des Oberarztes auch. Ich erklärte ihm aber, dass das dann ja sowieso weniger ein Problem ist, weil wir ja den Monitor haben, der uns das eben mitteilt. Ich erklärte ihm weiter, dass ich einen Erste-Hilfe-Kurs für Kinder und Säuglinge gemacht habe. Er fragte mich dann, ob ich denn schon einmal reanimiert hätte. Das verneinte ich und sagte ihm, dass das auch keinen Unterschied macht. Denn einen Menschen zu reanimieren ist etwas völlig anderes als es in einem Kurs an einer Puppe zu üben. Also, natürlich habe ich schon an einer Puppe reanimiert. Aber eben nicht eine Babypuppe.

Natürlich wollte mir der Oberarzt dann einreden, dass ich gar nicht in der Lage sei meine Tochter zu reanimieren, weil ich viel zu geschockt sein werde. Diese Behauptung war für ich in dem Moment wie ein Schlag ins Gesicht. Meine Gedanken überschlugen sich. Denn, war nicht ICH diejenige, die seit Monaten nichts anderes macht als sich mit der Pflege, den Gendefekt und all dem anderen auseinander setzte? Hatte nicht ich erst kurz zuvor einfach intuitiv richtig gehandelt als der Räubi keine Luft mehr bekam und blau anlief, weil er von mir so einen blöden Nimm2 Bonbon bekam, an dem er sich verschluckte? HALLO???? Wieso sollte ich als Mutter weniger in der Lage dazu sein eines meiner Kinder zu reanimieren als ein Oberarzt, der wahrscheinlich durch seine 24h-Schicht völlig übermüdet ist?

Die Unterstellung, dass wir sie Zuhause langsam sterben lassen wollen, hat wirklich tiefe Wunden hinterlassen. Ich habe monatelang ein schreiendes Baby von morgens bis abends getragen. Ich war nicht in der Lage schnell duschen zu gehen oder von der Schlafkleidung zur Jogger zu wechseln. Meine Tage begannen größtenteils dann, wenn andere in der Nachbarschaft den Fernseher ausschalteten. Ich schaute zu wie das Dorf erwachte, der erste vom Feiern kam, der nächste zur Arbeit fuhr. Ich lief den ganzen Tag von Raum zu Raum um in Schaukelbewegung zu bleiben. Ich bekam kein einziges Lächeln unserer Tochter. Ich fütterte sie halbstündlich. Ich nahm nicht am gesellschaftlichen Leben teil. Ich weinte und schrie. Ich verstand Mütter, die ihre Kinder einfach zu Tode schüttelten. Denn auch ich hatte wirklich ganz schreckliche Momente. Und ich weiß absolut nicht wie ich diese Zeit überwunden habe. Woher ich die Kräfte nahm und weiter machte. Ich hätte sie sterben lassen können. Jeden Tag. Warum sollte ich sie also mit einem RS-Virus nach Hause schleppen, um sie dann sterben zu lassen, wenn sie endlich auf dem Weg der Besserung war? Wo sie doch endlich einmal lächelte, spielte, sich bewegte und viel besser aß und schlief als die Monate zuvor?

Und nun wollte man uns so etwas unterstellen. Man bezweifelte, dass wir den Notarzt rufen würden, wenn es wirklich zu einem Notfall käme. Ich kam mir vor wie eine psychopathische Mörderin. Und das Einzige, was ich während der Heimfahrt tun konnte, war zu weinen. Ich konnte nicht einmal etwas essen. Mir war schlecht. Ich hatte kopfweh. Und ich war furchtbar müde.

Die Nacht über war die Sättigung nicht bombe aber dafür um Welten besser als vorher. Und am nächsten Tag stellten wir uns dem Gespräch mit Oberarzt, Sozialpädagogin und Psychiater. Ich hatte am Morgen mit unserer Familienhilfe telefoniert und mir die Nacht über viele Gedanken zu dem Geschehenen gemacht. Ich hatte mich gefragt, ob ich wirklich einfach nur egoistisch gehandelt habe oder, ob ich richtig entschieden hatte – für die Mausi. Ja, ich bin in der Lage mein Verhalten zu reflektieren. Und ich muss leider gestehen, dass in solchen Momenten dann die fiese Christina zum Vorschein kommt.

Das, was ich in diesem Gespräch gemacht habe, war den Oberarzt vorzuführen. Ich habe mit der Selbstsicherheit, die mich wohl auch die vorangegangenen Monate hat überstehen lassen, erklärt, was Menschen wie er dort versaut haben. Letztendlich musste der Chefarzt kommen, weil ich in der Nacht entschieden hatte, rechtlich gegen das Krankenhaus vorzugehen.

Ich ließ mich während des Gespräches besänftigen, sodass ich dann im Nachgang noch einmal die Sättigung kontrollieren ließ. Der Oberarzt schleppte einen abgewrackten Sensor und ein mobiles Gerät an. Ich erklärte ihm gleich, dass dieser Sensor nicht mehr vernünftig messen kann. Er schaute mich genervt an als wolle er mir sagen, dass ich davon ja keine Ahnung habe und nicht alles auf den Sensor schieben solle. Die Schwestern auf der Station sind im übrigen auch nicht unbedingt in der Lage die Sensoren so anzubringen, dass sie vernünftig messen können, sondern nach kurzer Zeit richtig kaputt sind. Bei uns haben die Sensoren für die Sauerstoffsättigung zwei Wochen gehalten. Und ich wurde vernünftig in die Pflege der Sensoren eingewiesen. Das erklärte ich dem Arzt auch so. Er maß also bei sich, dann bei der Mausi und dann bei mir. Er hatte einen akzeptablen Wert. Die Mausi schlafend im Tragetuch hingegen lag bei 86%. Ich hatte auch nur 95%. Und ich wusste, dass dieser Wert nicht stimmt, weil ich ja daheim am Monitor geklemmt hatte 😉

Also lief er los und holte einen neuen Sensor. Und siehe da, die Mausi hatte eine Sättigung von 96%. Das wiederum konnte er nicht wahr haben. Aber er beließ es dabei. Und ich ging mit dem Wissen, dass ich das Richtige getan hatte.

Nun muss die Mausi wieder dahin. Sie soll auf Betablocker eingestellt werden, damit der Blutschwamm aufhört zu wachsen und sich zurück bildet. Und eigentlich ist mir nur zum heulen zumute. Das schreibe ich nicht, um Mitleid zu bekommen. Viele Menschen verstehen nämlich nicht, dass ich mich nicht besser fühle, wenn sie Mitleid haben oder mir sagen, dass ich auch einmal an mich denken soll und mir Auszeiten nehmen soll. Das macht mich doch nicht glücklich.

Bin nicht ICH diejenige, die am besten weiß, was ich brauche? Solche dämlichen Ratschläge brauche ich nämlich nicht. Ich möchte mich nicht dafür entscheiden mein Kind bei irgendwem schreien zu lassen, wenn sie nur bei mir zur Ruhe kommt und sie selbst sein kann. Für mich ist nach all den Monaten erfüllend, wenn sie mir zeigt, dass es ihr bei mir gut geht. Dass sie neben mir auf ihren Spielsachen herum kauen kann oder mit dem Räubi und mir Spaß auf dem Trampolin hat. Wenn sie mich ganz stolz und freudig anguckt, weil sie in der Physiotherapie einige Krabbelversuche schafft. Wenn ein einziger Blick zu mir ihr die Sicherheit gibt, dass sie sich weiter auf die Therapie konzentrieren kann.

Nein. Ich muss nicht feiern gehen, um mich zu erholen. Nein. Ich muss nicht zum Friseur, um erfüllt zu sein. Ich habe zwei Kinder bekommen und bin dazu in der Lage zu differenzieren, dass mich egoistische Bedürfnisse meinerseits nicht erfüllen, wenn ich die Bedürfnisse meiner Kinder hintenan stelle. Und natürlich gibt es auch Momente an denen ich meinen Kaffee genieße und die Mausi neben mir zetert, weil sie nur neben mir sitzt anstatt auf meinem Schoß. Aber ich bin dann immer noch für sie da. Ja, ich möchte mich so aufopfern. Genau das erfüllt mich.

Und trotzdem sitze ich hier und mag einfach nicht. Dieses Krankenhaus ist mir zuwider. Ich hatte im Mai mit der Station telefoniert, um einen Termin für diesen Aufenthalt auszumachen und darüber zu sprechen, dass dafür aber einige Sachen umgesetzt werden müssen. Die Ärztin, die uns auch im Februar begleitet hatte, war ziemlich ungehalten und wimmelte mich damit ab, dass das dann am Tag der Aufnahme geklärt wird. Nun sitze ich hier und bin total wütend, weil ich ein Gespräch im Vorfeld wollte. Ich wollte im Vorfeld abklären, ob wir die Einstellung dort vornehmen lassen oder eben ein anderes Krankenhaus aufsuchen, für das wir eben weit fahren müssen, die sich aber eben mit dem Gendefekt auseinander setzen und sich darauf einstellen.

Im Februar bekam ich extra die Dienstnummer des Handys vom Chefarzt, um noch einmal nach einiger Zeit zusammen zu kommen und über mögliche Vorkehrungen für zukünftige Aufenthalte zu sprechen oder eben zu entscheiden, dass wir nicht mehr auf dieses Krankenhaus zurückgreifen werden. Mittlerweile wimmelt dieser Mann mich ab und verweist mich auf die Schwester, die das Terminbuch hat. Natürlich ist einige Zeit vergangen und dieser Mann ist viel beschäftigt. Aber mir kommt dann die Frage auf, warum er ausgerechnet unseren Fall vergessen hat. So etwas sollte man sich eigentlich merken. Oder gibt es Fälle wie uns einfach öfter???

Nun denn, wir sollen also zuerst aufgenommen werden. Ich nehme an, dass dann irgendeine wurstige Schwesternhand das Anklemmen am Monitor übernehmen soll und wir ewig auf einen Arzt warten müssen. Damit gibt es aber schon Geld von der Krankenkasse für das Krankenhaus. Und ich sehe nicht ein, dass wir für so einen verhältnismäßig kleinen Blutschwamm so eine Abzocke mitmachen müssen. Irgendwann entscheidet nämlich genau dieser Krankenhausaufenthalt bei einer Kann-Situation darüber, ob Leistungen gewährt werden oder nicht. Fälle gibt es dazu genug.

Und es ist mir auch zuwider wie eben selbige Ärztin absolut NICHTS begriffen hat. HALLOOOOOHOOOO?! Meine Tochter ist keine Puppe!!! Sie ist ein Mensch mit eigenen Gefühlen und Grenzen. Ich fühle mich mehr denn je einfach k.o. Es ist so furchtbar anstrengend gegen Windmühlen zu arbeiten. Es ist ermüdend, dass man sein besonderes Kind immer wieder verteidigen muss. Ich wünsche mir einfach mehr Verständnis. Mehr Akzeptanz darüber, dass es eben nicht so geht wie bei anderen.

Mittlerweile ist es halb 11 durch. Ich kann immer noch nicht schlafen. Typisch, wenn solche Situationen unaufhaltsam näher rücken. Ich bin gereizt und genervt und möchte am liebsten die Welt in den Boden stampfen. Und doch versuche ich jetzt einfach noch ein wenig Kräfte zu sammeln und zu schlafen. Denn die Kinder sind gnadenlos, was ihre Schlafzeiten betrifft. Die Lautstärke um mich herum noch gnadenloser.

Ich berichte wie dieses Drama endet.

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