#freitagsklatsch

Das Wochenende rückt immer näher. Die Nacht hat ihre Spuren hinterlassen. Das Wetter spiegelt die Stimmung wieder und der Stresspegel ist nicht mehr messbar.

Impfen. Ich hasse impfen. Ich hasse Zeugs, was Mist im Körper anstellt und Kinder zu kleinen Gobblins werden lässt. Aber es ist wichtig. Niemals könnte ich es mit verzeihen, wenn eines meiner Kinder einfach aufhört zu atmen, weil Keuchhusten gewonnen hat.

Wir sind spät dran. Durch das Blau anlaufen und ewige Schreien der Mausi in den ersten Monaten habe ich angefangen mich einzulesen. Die bis dahin ausgesuchte Ärztin war irgendwie nie so wirklich in der Lage aufzuklären. Dazu gehört für mich, dass man mit erklärt, was die einzelnen Krankheiten sind und anrichten können. Dazu gehören für mich auch aktuelle Zahlen dazu.

Ziemlich verunsichert entschied ich mich dafür erst einmal zu warten. Mir wurde ja immer wieder versprochen, dass es bald besser werden würde. Und ich dachte mir, dass es dann eventuell ungefährlicher wäre sie impfen zu lassen. Ist das doch von etlichen Begleiterscheinungen geprägt, die ich ihr zu dem Zeitpunkt einfach nicht zumuten wollte. Wir sind soweit geimpft und ein Kitakind gibt es nicht. Somit ist es schon etwas sicherer ohne irgendwelche angeschleppten Viren.

Umso schlimmer finde ich, dass es diese Impfgegner gibt, die hinter allem eine Verschwörung sehen. Gesunde Kinder werden aus Trotz einfach nicht geimpft. Und schon zählt der Herdenschutz nicht mehr. Kinder wie meines, dass bedingt durch einen Gendefekt nicht nach Empfehlung geimpft werden soll, haben dann das Nachsehen.

Fälle von Masern und Keuchhusten steigen an. Und so wird jeder Arztbesuch zu einem russisch Roulette. Es gibt ganz viele Kinder, die noch schlimmer erkrankt sind als meines. Die wirklich auf den Herdenschutz angewiesen sind. Und dann sind da plötzlich Mütter, die … Tja, denen ist es egal, dass ein anderes Kind sterben kann, weil sie sich gegen das Impfen entschieden hat. Und leider Gottes präsentieren viele dieser Mütter auch öffentlich im Netz, dass es ihnen egal ist.

Schon sind wir wieder beim Thema Gesellschaft. Als Mutter habe ich nicht nur Verantwortung für meine eigenen Kinder, sondern erweitere diese bedingt durch mein Handeln auch auf andere. Das fängt bei der Gartenarbeit an. Wenn ich Gift gegen Unkraut im Vorgarten verteile, dann ist es meine Pflicht andere Kinder darauf hinzuweisen, wenn sie sich regelrecht auf dieser Fläche suhlen. Und ja, da werde ich bei der zweiten Ermahnung auch echt ungemütlich und schicke sie zum Hände waschen.

Mein Mann ist da ein ganz anderer Schlag. Er ist der Meinung, dass Kinder ab einem gewissen Alter respektieren sollten, dass sie sich nicht auf fremden Grundstücken aufzuhalten haben. Da ist man auf die Erziehung durch die entsprechenden Eltern angewiesen. Ihm wäre es total egal, wenn die Kinder Bauchschmerzen kriegen, sich übergeben müssen und sonstige Vergiftungserscheinungen bekommen. Und im Prinzip hat er in Bezug auf diese Situation ein wenig Recht. Immerhin schmeißen wir schlecht gewordenes Gemüse auf den Kompost und erwarten ebenso, dass sich da niemand bedient. Wieso sollten wir da ermahnen und Verantwortung übernehmen, wenn es nicht unsere Aufgabe ist.

Wo beginnt und endet die Menschlichkeit?

Das wäre dann die nächste Frage, die man nun beantworten müsste. Ich persönlich lebe gern nach dem Motto Wie man in den Wald hinein ruft, so schallt es auch hinaus. Zerreißt du dir dein Mundwerk über mich, dann zerreiße ich dich. Hier. Öffentlich. Für jedermann – auch dich – einsehbar. Bist du nett und respektvoll, dann bin ich es in jedem Fall auch. Meinst du, du musst deine Kinder gegen meine Kinder aufhetzen, dann drehe mir niemals den Rücken zu. Du erinnerst dich doch sicher an das Ding mit dem Muttertier?

Die meisten Menschen verstehen dieses Prinzip nicht und schon geht es los: mimimimimi die hat aber mietzmiau Ihr glaubt gar nicht wie urkomisch es sich anfühlt kurz vor einem richtig herrlichem Lachanfall zu stehen und gleichzeitig so richtig wütend zu werden – ich bin dann das Rumpelstilzchen, die den Ball im Garten verbrennt und wie eine Hexe laut lachend um das Feuer tanzt.

Wisst ihr, ich fühle mich gern ausgeschlossen. Ich möchte nicht anstrengenden Kontakt zu Menschen halten, die mich am Arm packen während ich meinen Sohn auf dem Arm habe, der dann so verängstigt ist, dass er anfangen muss zu weinen. Ich möchte mich nicht mit Menschen unterhalten, die Gesprächsinhalte, die dann tatsächlich auch noch der Schweigepflicht unterliegen, anderen Grillgästen kredenzen während ich wie eine Blöde abends noch Unkraut zupfe und selbiges mit anhören muss.

Jackpot. *dingdingding* Was nehmen wir denn heute? Beleidigte Leberwurst, weil man nicht mit meinem Sarkasmus klar kommt? Mimös’chen, weil wir das Jammern kriegen? Wie kann die nur so gemein sein?

Schon einmal in den Spiegel geguckt? Ja? Dann war es wohl der Falsche. Du hast bisher nicht in den Spiegel gesehen, den ich dir vor die Nase gehalten habe. Du hast nichts verstanden. Du bist nicht in der Lage dein Handeln zu reflektieren. Und du hast erstrecht nicht den Poppes in der Büx es in Zukunft besser zu machen. Das kann ich dir mit gutem Gewissen so sagen, weil mein eigener Ehemann auch ziemlich beleidigt war, als ich selbiges Spiel mit ihm getrieben habe. Als ich ihm das dann einmal auf meine sanfte Art und Weise unter die Nase gerieben habe, hatte ich leider keine Kamera zur Hand. Das Gesicht hätte ich nämlich gern gezeigt. Die Erkenntnis, plötzlich zu verstehen, was man angerichtet hat … Da fehlen mir tatsächlich einmal die Worte. Keine Angst, wir beide haben es überlebt und wachsen hoffentlich daran.

Und ja, in einer Ehe passiert es auch ganz schnell, dass man vergisst wen man vor sich stehen hat. Man verfällt in unserer Gesellschaft ganz schnell in einen wirklich unangenehmen Trott. Die Scheidungsrate ist ja aussagekräftig. Und an dieser Stelle muss ich wirklich beeindruckend hinzufügen, dass ich Siegfried, 52, ganz toll finde. Nicht toll im Sinne einer Partnerschaft, sondern sympathisch im Sinne der Erziehung und des Respekts seiner Bonustochter gegenüber. Menschen wie er machen unsere Gesellschaft schöner.

Dann lasst euch den Feierabendsuff mal schmecken. Sehen uns dann Morgen wieder. Wenn wir aneinander vorbei fahren. Oder uns beim Einkaufen treffen. Oder durch Ritzen des Sichtschutzes hindurch beobachten können. Ihr wisst schon. Das Ding mit dem Gegenüber treten klappt ja nicht so gut. Augen rollen und so stehen da im Weg. Ich bin ja für einen Benimmkurs. 😎

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