Freitagsklatsch

Alle sieben Jahre soll sich der Mensch verändern. Was aber geschieht, wenn man schreckliche Zeiten durchstehen muss? Verändert man sich da nicht auch? Wird man nicht vorsichtiger? Weniger angreifbar von Außen? Verschließt sich und ist nicht mehr aufnahmefähig für all die schönen Kleinigkeiten des Lebens?

Wer einsam stirbt ist einsam tot.

Das sagt ja schon alles. Aber müssen wir uns deshalb jeden Tag Freunde machen? Mir persönlich ist das viel zu anstrengend. Ich bin ganz zufrieden, wenn man akzeptiert, dass ich so bin. Ich möchte mich nicht verbiegen und Dinge mögen, die ich nun einmal absolut nicht mag. Das bedeutet allerdings nicht, dass ich mich nie eines Besseren belehren lasse und nichts ausprobiere. In einigen Sachen habe ich mich aber nun einmal ausprobiert und brauche keinen Zwang anderer mich in etwas drängen zu lassen, was nicht zu mir passt.

Aller Anfang ist schwer.

So ist es mit allem. Meine Mutter sagte immer: Man wird alt wie eine Kuh und lernt immer noch dazu. Ich finde das mittlerweile etwas makaber, weil Kühe ja nun nicht mehr unbedingt alt werden. Typisch Fleischbar eben. Und trotzdem fiel mir auf wie anders ich nun bin. Lief ich doch mit tief hängenden Baggies, sichtbarer Männerboxershorts und rausguckendem String umher, so habe ich jetzt mindestens 2 Lagen an und mache einiges an Produkten selbst. Verzichte auf Vieles, um das Krebsrisiko zu senken. Ich finde Fremdbetreuung seit meiner ersten Schwangerschaft schrecklich – ich meine, das fand ich vorher schon. Aber da wurde mir erst so richtig bewusst wie wenig ich meinem eigenen Kind so etwas zumuten mag. Kitafrei kann man immerhin super praktizieren. Unsere Gesellschaft ist nur nicht mehr darauf eingestellt, weshalb ich permanent auf Unversändnis, Zickereien und Ablehnung stoße. What ever… Ihr macht es alles richtig und vor allem viel besser als ich 😎

Manchmal passt es einfach nicht mehr.

Spätestens dann, wenn man sich voneinander entfernt. Das passiert oft, wenn Menschen einen hässlichen Charakter entwickeln und man sie nicht mehr erreichen kann. Solche Momente können die Geburt eines Kindes sein, die oft aufdeckt, wer ein wahrer Freund ist und wer nur gut zum Ausgehen ist. So verhält es sich mit jeder Beziehung, die zwischen zwei Menschen entstanden ist.

Mittlerweile ist es mir zuwider mich mit anderen Müttern zu vergesellschaften. Zum einen machen es mir die Kinder nicht gerade einfach. Kann ich mich doch nie mit jemandem unterhalten, wenn beide auf mir und an mir wohnen. Und zum anderen bin ich es leid mir ständig Mühe zu geben – das verstehen Eltern mit gesunden Kindern absolut gar nicht – um dann wieder *BÄHM* eins vor den Latz zu bekommen. Hey, es ist nun einmal nicht easypeasy zwei Kinder einzusacken und mal eben eine halbe Weltreise zu unternehmen, während Baby2 nur schreit und Kind1 so richtig mies drauf ist, weil es was ganz anderes im Sinn hatte oder man beim Fahren nicht im hinteren Fußraum nach dem Lieblingsauto wühlen kann, was kurz vorher galant hinunter befördert wurde.

Nein, es ist auch nicht okay, wenn man seit mindestens zwei Wochen weiß, dass am Tag der Verabredung eine Veranstaltung ist, man es aber nicht schafft abzusagen, sondern einfach kurzfristig offenbart wird, dass besagte Verabredung nicht stattfinden kann. Ist ja nicht so, dass man extra um den Termin herum geplant hat und alles wieder rückgängig gemacht werden kann. Zahlt man doch mittlerweile für Therapietermine, die man zu kurzfristig absagt, einen Haufen Geld. Und das wächst ja bekanntlich auf den Bäumen. Da ist das Argument, dass es unverbindlich sei, absolut keine Entschuldigung dafür, dass man nicht sozial zu seinen Mitmenschen sein kann und absagt, sobald ein Termin den anderen prescht.

Wenn ich mich ganz weit weg stelle, von außen betrachte, dann macht es mich furchtbar traurig und wütend, dass unsere Gesellschaft so ist. Dass Kinder wie meines keinen richtigen Platz in dieser Welt haben, weil sie anders sind.

Man ist nett, man gibt eine weitere Chance und das Einzige, was passiert, ist, dass man aus dem Hintergrund hört, was man für eine hässliche Fresse hätte.

Menschen sind hässlig.

Sie sind wirklich richtig hässlig von innen. Ich las vor kurzem von einem Projekt, welches eine Frau startete. Und ich schäme mich wirklich sehr dafür, was dabei heraus kam. Und, wenn ich jetzt alle Wahrheiten und Tatsachen auf den Tisch packen würde, dann müsste ich nicht für fremde Menschen, die einem immer und immer wieder beweisen, dass sie nicht anders sind, meine wertvolle Zeit opfern, nur, weil sie mich im Trio in Grund und Boden reden wollen. Wer mich kennt, so richtig gut kennt, der weiß, dass ich darin unschlagbar bin. Insbesondere dann, wenn ich auch noch einiges in der Hand habe.

Aber … ich habe so gar kein Bock. Reinste Energieverschwendung für Menschen, die nur an sich denken können. An den Ruf. An die Firma. An das Geld. Das ist die Lächerlichkeit hinter allem. Während meine Tochter ohne mich auskommen muss. Wo sie doch an mir klebt. Ohne Mama nichts machbar ist. Und niemand versteht das. Niemand ist in der Lage einfach einmal die Augen zu öffnen und zu erkennen. Es ist nicht mal eben so machbar Baby2 irgendwo zu parken und dann für ein paar Stunden zu verschwinden, wenn ich die einzige Bezugsperson bin, die die Mausi zum Schlafen kriegt oder tatsächlich über mehrere Stunden bei Laune halten kann. Und nein, für mich ist keine Option sie einfach wem zu überlassen, damit sie dann die meiste Zeit schreit. Nicht mit dem kardiologischen Befund. Nicht mit den augenscheinlich autistischen Zügen und den daraus resultierenden Umständen.

Tut mir leid, dass ich nicht einfach ausradierbar für euch bin.

Aber ich existiere nun einmal. Als Frau. Als Mutter. Als Bloggerin. Als Kundin. Als Nachbarin. Als Bekannte und Verwandte. Und ich habe die gleiche Daseinsberechtigung wie alle anderen Kleinkriminellen, Singles, Großeltern, Unternehmer, Lehrer und Verkäufer. Ich möchte mich genauso ungestört um meine Kinder kümmern wie andere es tun. Ich möchte genauso wenig Scheiße im Vorgarten wie andere auch. Ich möchte, dass man mich nicht aus dem Augenwinkel beobachtet, miteinander tuschelt und mit dem Finger auf mich zeigt, während ich mit den Kindern durch den Vogelpark gehe, weil es Menschen gibt, die sich unmenschlich verhalten haben und das, was sie von mir erwarten, kein bisschen selbst umsetzen können. Nämlich: zusammen reißen.

So wie man in den Wald hinein ruft, so schallt es auch wieder hinaus.

Ich weiß gar nicht, ob ich das von meiner Mutter oder meinem Vater mit auf dem Weg gegeben bekommen habe. Jedenfalls bin ich nicht einfach nur so so wie ich zu anderen bin. Jeder hat irgendwann seinen Beitrag dazu geleistet, dass ich sie meistens nur noch mit dem Hintern anschaue. Wenn überhaupt. Es gibt da so ein Lied, welches wir beim Autofahren neben einigen anderen hören. Die meisten kennen es von der Sesamstraße. Eine bestimmte Passage lässt mich immer nachdenklich werden: Wieso? Weshalb? Warum? Wer nicht fragt, bleibt dumm. 

Und es fragt tatsächlich niemand wo der Schuh drückt. Die Menschen haben gelernt immer von sich auf andere zu lenken. Es kommen Vorwürfe und Beschimpfungen. Es wird alles herunter geredet: Ist doch nur einmal im Jahr. Stimmt. Ein runder Geburtstag. Ein wichtiger Hochzeitstag. Ein Firmenjubiläum. Eine Hochzeit. Eine Jugendweihe. Ein großes Zusammenkommen mit Kollegen. Einmal eine Woche bis 22 Uhr pflastern und Baumaschinenlärm. Einmal Feuerwerk bei allem.

Aber immer wieder kein Schlaf und Stress für uns als Familie.

Und schon sind wir fast bei dem, weshalb vieles so ist wie es ist. Ich. Ich. Ich. Du. Du. Du. Plötzlich geht nichts mehr. Kommunikation ist nicht möglich. Eine Sackgasse. Zu wenig Platz für zu viel Frustration. Hilfe von Außen schafft auch keinen Fluchtweg und schon explodiert es. Und nichts ist mehr wie vorher.

Kennt ihr die Story um die Dickhäuter? Die großen, grauen? Die, die auch nach 20 Jahren nicht vergessen haben, wer ihnen einmal wehgetan hat?

 

Ich möchte hinzufügen, dass die Freitagsklatschtexte spontan entstehen. So wie die Gedanken kreisen, stehen hier plötzlich dieselben Wörter. Das ist authentisch und wahr. Und wer was zu sagen hat, der tut dies persönlich. In einem Gespräch. Ich toleriere keine weiteren Ich bin jetzt mimosenhaft beleidigt und wische dir eins aus Kommentare.

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